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07.10.2004


 

Jubiläum - Schachverein probt für 50-Jahr-Feier. 32 Jugendliche übernehmen den Part der Schachfiguren

Bauer schlägt Dame im Schlosshof

VON DIETER REISNER

Beim Schachspiel machen sie den ersten Zug und stehen deshalb in vorderster Front. Aber noch haben die weißen Bauern gut lachen. FOTO: REISNER

Beim Schachspiel machen sie den ersten Zug und stehen deshalb in vorderster Front. Aber noch haben die weißen Bauern gut lachen.
FOTO: REISNER

PFULLINGEN. Er ist Bauer, weiß und ihm gebührt der erste Zug. Stefan Allert zieht von e2 nach e4. Schwarz kontert mit Sebastian Albrecht. Auge in Auge stehen sich die beiden Bauern im Schlosshof gegenüber, lachen und geben sich die Hand. Der Pfullinger Schachverein feiert im kommenden Jahr sein Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen. Anlässlich der Feier veranstaltet der Schachverein den Bundeskongress in den Pfullinger Hallen am 6. Mai 2005.

Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus. Als Höhepunkt der Jubiläumsfeiern spielt der Verein eine Partie lebendiges Schach. Damit im kommenden Jahr auch alles reibungslos abläuft mit den 32 Mitspielern, proben die Schachfreunde schon jetzt im Schlosshof. »Wer noch kein Kostüm hat, kommt bitte her Dieter Einwiller führt Regie im selbst inszenierten Figurentheater. Sein Stück: Die in Schachkreisen legendäre und weltberühmte Partie zwischen Paul Morphy und dem Herzog von Braunschweig, Carl Isouard, aus dem Jahr 1858. »Ein schnelles Spiel in 18 Zügen mit mehreren Opfern«, schwärmt der Pfullinger Vorsitzende. »Ein Klassiker im Figurenschach, ausgezeichnet geeignet für lebendiges Schach.« Seine Protagonisten: Turm, Springer, Läufer, Dame, König und Bauern. Die Schauspieler: jugendliche Vereinsmitglieder. Der Regisseur: im Stress.

Der weiße Turm fehlt

Einwiller wetzt über den Schlosshof, verteilt Kostüme an Schwarz, Accessoires an Weiß und umgekehrt, dirigiert, liest, erklärt und arrangiert: »«Läufer schlägt Bauer, Springer auf f6, Bauer nach links, der weiße Turm fehlt, aber das macht nichts, Springer schlägt Bauer.« Mittendrin wundert er sich: »Warum stehst du hier »Weil Sie mich hierher gestellt haben«, antwortet der schwarze Läufer alias Florian Schwarz schlagfertig. »Ach so?« Was auf den ersten Blick aussieht wie das reine Chaos, entpuppt sich auf den zweiten Blick als geordnetes Spiel. Die Eltern, die am Rand das Geschehen beobachten, schmunzeln, der weiße König amüsiert sich, die schwarze Dame lächelt. »Lebendiges Schach wird heute fast nicht mehr gespielt, weil es halt so aufwendig ist Deshalb sei es etwas Besonderes für die Feier geeignet.

»Meines Wissens nach hat es das in den vergangenen fünf Jahren in Süddeutschland keines gegeben«, so Einwiller. Was man sich leicht vorstellen kann. Noch hat die Probe nicht so geklappt wie sich der Vorsitzende das vorstellt. Nach der Hälfte der Züge musste er abbrechen. Doch er ist zuversichtlich und sieht's mit Humor. Zum einen können die Mitspieler alle Schach spielen, zum anderen werden die Züge beim Festakt angesagt.

Noch kein Matt

»Noch ein paar Mal üben im März und April und wir haben das drin«, ist sich Einwiller sicher. Dann ist auch der fehlende Turm dabei und ein Vereinsmitglied überwacht die Partie von oben. »Man verliert schnell den Überblick Für dieses Mal ist der schwarze König alias Achim Joos also noch einmal davongekommen. Bis zum letzten Zug, also bis der weiße Turm alias Robin Eckert zum Matt ansetzt sind sie nicht gekommen. Doch die Stunde des Turms kommt sicher. (GEA)